Ein echtes Blaulicht-Berufsleben: Hänsch-CEO Michael Myohl geht in den Ruhestand

 HERZLAKE. Vom Entwicklungsingenieur zum Geschäftsführer, beinahe ein ganzes Arbeitsleben bei einem einzigen Arbeitgeber – wo gibt es das noch? Bei einem Hidden Champion im Herzen des Emslandes: Nach 36 Jahren im Unternehmen Hänsch geht Michael Myohl in den Ruhestand. Dennoch wird er dem Systemlieferanten für Einsatz- und Sonderfahrzeuge erhalten bleiben.

 Polizeifahrzeuge, Notarzteinsatzfahrzeuge, Schwertransport-Begleitfahrzeuge – blaues und gelbes Licht für mehr Sicherheit durch Sichtbarkeit: Bei Hänsch werden seit 42 Jahren optische und akustische Lösungen entwickelt, die den Straßenverkehr sicherer machen sollen. Das Unternehmen beschäftigt inzwischen mehrere hundert Mitarbeitende und ist Marktführer in seinem Segment. Einer, der den Weg dorthin nicht nur begleitet, sondern maßgeblich mitgestaltet hat, ist Michael Myohl, der dabei selbst eine eindrucksvolle Karriere durchlaufen hat.

Emsländische Pionierarbeit

In Thüringen aufgewachsen, verließ er nach dem Elektrotechnik-Studium den Osten der Republik, um im Emsland eine neue, nicht nur berufliche Heimat zu finden. Damals, 1990, hatte Unternehmensgründer Hans-Jürgen Hänsch gerade erst damit begonnen, sein Unternehmen zu skalieren. Kunden aus dem In- und Ausland trugen ihm Konzepte für Lösungen auf – mitunter mitsamt passendem Namen. Kaum im Unternehmen, wurde Myohl gemeinsam mit weiteren Mitstreitern der buchstäblich ersten Stunde zunächst mit einem Projekt für Österreich konfrontiert: eine Vorwarneinrichtung für Fahrzeuge, mithilfe derer Verkehrszeichen angezeigt werden können – heute Gang und gäbe, damals eine echte Innovation. Mit viel Schweiß und in langen Arbeitstagen, manchmal bis in die Nacht, wurde diese Neuentwicklung ins Ziel gebracht: „Das war echte Pionierarbeit in diesem Bereich“, erinnert sich Myohl, der die Arbeitsweise dieser Zeit so beschreibt: „Wir haben einfach gemacht, einfach angefangen.“ Von dieser prägenden Hands-on-Mentalität profitiert das Unternehmen noch heute.

Vom Entwickler zum Vertriebsmotor: Der Weg zum Markterfolg

„Damals waren wir der kleine unbekannte Lieferant aus dem Emsland und mussten uns bei den Großen wie BMW präsentieren, da wurden wir mitunter argwöhnisch beäugt. Wir hatten zu dieser Zeit bereits einige Kennleuchten, aber dann ging das Rennen erst richtig los“, blickt Myohl auf die frühen 1990er Jahre zurück. Hans-Jürgen Hänsch ließ aus dem Entwicklungsingenieur kurzerhand einen Applikationsingenieur werden und machte aus dem Elektronik-Fachmann Myohl einen waschechten Vertriebler: „Ich war damit anfangs gar nicht glücklich, aber es hat dazu geführt, dass wir national und international letztlich erfolgreich Akquise betreiben konnten“, erinnert sich der Wahl-Emsländer. Eine Entscheidung, an die auch Unternehmensgründer Hänsch gerne zurückdenkt: „Herr Myohl hat den Vertrieb unter seiner Führung erst richtig aufgebaut.“ Ab dann „sind wir so richtig durchgestartet. Es wurden immer wieder riesige Schritte möglich“, so Hänsch weiter.

Einstieg in die Geschäftsführung und Erfolg als Hidden Champion

Aus dem Entwickler und Vertriebler wurde so bereits 1997 der Geschäftsführer Myohl und auch in dieser Funktion ging es für ihn und das Unternehmen immer weiter, etwa, als das heutige Hightech-Unternehmen damit begann, individuelle Designlösungen für namhafte Aufbauhersteller von Feuerwehr- und Rettungsfahrzeugen zu entwickeln: „Wir haben dann fast jeden Auftrag ins Haus geholt, das war eine coole Zeit“, sagt Myohl. Hans-Jürgen Hänsch ergänzt: „Heute gelten wir als Hidden Champion, und viele sind froh, wenn wir als Marktführer liefern können.“ Für ihn steht fest: „Ich habe Herrn Myohl sehr viel zu verdanken – das Unternehmen hat Herrn Myohl viel zu verdanken.“ Ende Juli verabschiedet sich Michael Myohl mit dann fast 66 Jahren nach 36 Jahren bei Hänsch formal in den verdienten Ruhestand. Dem Unternehmen wird er dennoch erhalten bleiben und als Mitglied des Aufsichtsrats weiter beratend tätig sein. Hans-Jürgen Hänsch wird damit nach seinem eigenen Rückzug aus dem Tagesgeschäft der nächste sanfte Generationenwechsel gelingen, denn die beiden Nachfolger für die Aufgaben von Michael Myohl stehen seit Jahren bereit: Christian Gehring (derzeit CFO) wird zukünftig als CEO der Hänsch GmbH agieren.

Stefan Fangmeyer wird als CSO die Vertriebsaufgaben von Michael Myohl übernehmen und verantwortet zusammen mit Dietmar Speller (CEO) und Ludger Dopp (COO) das operative Geschäft der Hänsch Automotive Group. Für den Aufsichtsratsvorsitzenden Hans-Jürgen Hänsch ist das eine Ideallösung: „Da gibt es viele Unternehmen, die es nicht so komfortabel haben, weil der Generationenwechsel nicht so gelungen ist oder nicht konsequent vorbereitet wurde.“

Weiter auf Wachstumskurs

Und noch eine gute Nachricht aus Herzlake: Eine sehr gute Auftragslage mit weiter steigender Tendenz und die klare Ausrichtung auf zukünftige Innovationen führen gerade zu der bislang größten baulichen Investition in den Standort Herzlake.

 

Ein ganzes Berufsleben für ein Unternehmen: Michael Myohl, Geschäftsführer von Hänsch in Herzlake. Im unternehmenseigenen Info-Center steht er neben einer Blaulicht-Designlösung für den Aufbauhersteller Ambulanz Mobile in Schönebeck.